Transparenzhinweis: Bild von KI erzeugt.
Wie anfangen... mit KI?
Bleiben wir realistisch: EPUs und kleine KMUs haben oft keinen strategischen Master-Plan für die KI-Einführung. KI "passiert" irgendwie.
In diesem letzten Teil der Artikelserie betrachten wir, wie das häufig abläuft und wie man mit wenigen Stellschrauben trotzdem erfolgreich sein kann.
Zunächst ein kurzer Rückblick:
- Teil 1 dieser Serie hat beschrieben, inwiefern sich Künstliche Intelligenz für kleine Unternehmen grundsätzlich lohnt.
- Teil 2 brachte das dann mit konkreten Anwendungsbeispielen in die Praxis.
- Hier in Teil 3 betrachten wir den Prozess vom ersten Gedanken zum strukturierten Einsatz von KI.
Wie der KI-Einstieg in der Praxis oft abläuft
Auch wenn jedes Unternehmen anders ist, gibt es Muster. Typischerweise verläuft die KI-Einführung in kleinen Unternehmen in vier bis fünf Phasen. Nicht jeder durchläuft dabei alle Phasen oder kommt bis Phase 4. Manche Unternehmen bleiben erfolgreich auf Phase 2 oder 3 und das ist ok.
Phase 0: Noch keine KI-Nutzung
Viele kleine Unternehmen nutzen Künstliche Intelligenz wahrscheinlich noch gar nicht: Für 2026 gibt es zwar noch keine belastbaren Zahlen, aber basierend auf Erhebungen von 2023 und 2024 und dem Trend kann man festhalten: Die Mehrheit der EPUs und ein großer Teil kleiner KMUs (unter 10 Mitarbeiter) nutzt KI derzeit vermutlich noch nicht.
Gleichzeitig wächst der Druck:
- Direkte Konkurrenten beginnen mit KI zu arbeiten.
- Größere Unternehmen setzen sowieso viel stärker auf KI.
- Kunden erwarten Produktivität und Service, die sich nur mit KI-Unterstützung leisten lassen.
Der Schritt in Phase 1 erfolgt, wenn jemand beginnt, KI betrieblich zu nutzen. Aus einem "Ich beobachte das" wird ein "Ich probiere das aus".
Phase 1: Der unstrukturierte Start
Hier beginnt die KI-Nutzung erstmals, aber oft nicht durch eine (allzu) bewusste Entscheidung. Jemand probiert ein KI-Tool aus, oft kostenlos, meist unkontrolliert.
Bei einem KMU sind es einzelne Mitarbeiter, die eigenständig anfangen. Die Führung weiß davon vielleicht gar nichts. Das ist "Schatten-KI": Ungeplant, unkontrolliert, eigentlich sehr riskant, aber doch die häufigste Einführungsform.
Das Problem dabei: Keine Kontrolle über Daten, keine DSGVO-Compliance, keine Qualitätssicherung. Bei Phase 1 zu bleiben ist ein riskanter Zustand.
Phase 2: Der bewusste Schritt
Ein Business-Account wird für das KI-Tool angeschafft. Die DSGVO wird jetzt mitbedacht. Die potenzielle Verwendung von Unternehmensdaten für das KI-Training wird deaktiviert. Konkrete Einsatzszenarien für das Tool werden bewusst definiert, andere ausgeschlossen. Bedarf und Nutzen von KI-Kompetenz wird erkannt und erste KI-Schulungen werden gebucht. Das Management gibt erste Richtlinien für die KI-Nutzung aus.
In EPUs entsteht eine bewusste Routine: "Diese Aufgaben mache ich ab sofort mit KI, und zwar so und so."
Diese Phase ist das Ziel für jeden Anfang in Kleinunternehmen. Alles weitere ist dann Ausbau.
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Phase 3: Professionalisierung
Aus der einzelnen KI-Anwendung werden mehrere. Verschiedene Tools etablieren sich für unterschiedliche Zwecke. Workflows entstehen, die unterschiedliche Tools verbinden. Erste toolübergreifende Automatisierungen werden umgesetzt. Prozesse werden angepasst.
Der Nutzen durch den KI-Einsatz (z.B. Zeitersparnis) wird erstmals bewusst gemessen.
Spätestens jetzt wird ein strukturiertes Vorgehen zur KI-Einführung wichtig. Hinweise zum strukturierten Start finden sich z.B. in meinem Artikel "AI adoption in your company: Prerequisites" auf Medium.com (englischsprachig).
Künstliche Intelligenz wird nun zu einem immer wichtigeren Faktor im Unternehmen. Vorausschauende Unternehmen beginnen, KI als strategisches Werkzeug zu sehen und erste organisatorische Kontrollstrukturen zu etablieren.
Phase 4: KI-Transformation
KI unterstützt nun nicht mehr nur, sondern wird zentraler Teil der Arbeitsabläufe selbst. Prozesse passen sich den KI-Systemen an, nicht mehr umgekehrt. Automation nimmt deutlich zu. Das Unternehmen durchläuft eine "KI-Transformation".
Gleichzeitig werden Themen wie "KI Governance", "KI Ethik" und "vertrauenswürdige KI" immer wichtiger: Je stärker das Unternehmen KI-Systeme nutzt, desto wichtiger wird es schließlich auch, dass diese zuverlässig und richtig funktionieren. KI soll dem Unternehmen nutzen, nicht es gefährden: Risikomanagement für KI-Systeme wird spätestens jetzt ein Thema.
Unternehmen, die diese organisatorischen Punkte vernachlässigen, haben letztlich einen mächtigen KI-Motor, den sie nicht mehr kontrollieren können. Massive wirtschaftliche und regulatorische Probleme können die Folge sein.
Für Unternehmen, die sich bewusst sind, dass KI nicht nur technisch umzusetzen ist, sondern auch einen entsprechenden organisatorischen Rahmen braucht, bietet Phase 4 jedoch gewaltige Produktivitätspotenziale.
Nicht jedes Unternehmen muss Phase 4 anstreben. In der Praxis werden für EPUs und kleine KMUs die überschaubaren Phasen 2 oder 3 oft das sinnvollere Ziele sein.
Bewährte Ansätze
Das hier beschriebene Phasenmodell lehnt sich an zwei bewährte Ansätze an: Das Gartner AI Maturity Model, das eine Progression von unstrukturiertem Experimentieren bis zur systemischen Integration beschreibt, sowie den weit verbreiteten „Crawl, Walk, Run"-Ansatz, der dieselbe Logik (vom vorsichtigen ersten Schritt bis zum souverän laufenden Betrieb) aus einer operativen Perspektive formuliert.
Beide Modelle sind für größere Organisationen konzipiert. Das hier vorgestellte Phasenmodell passt diese Grundlogik praxisnah auf EPUs und kleine KMUs an, mit Fokus darauf, wo die meisten kleineren Unternehmen heute tatsächlich stehen.
Ganz praktisch: Wie anfangen?
Wer ganz am Anfang steht, kann mit diesen konkreten Maßnahmen starten:
- Schulung besuchen: Das ist die wichtigste Maßnahme, bevor überhaupt ein Tool angeschafft wird. Seit Februar 2025 ist KI-Kompetenz nach dem EU AI Act für Unternehmen rechtlich verpflichtend. Und sie macht auch wirtschaftlich Sinn, denn KI-Kompetenz hilft, Fehler zu vermeiden. Für einige hundert Euro gibt es umfassende Grundlagenkurse für Einzelpersonen (EPUs), ab rund 2000 Euro kann man als kleines KMU gute Unternehmensschulungen für die gesamte Belegschaft buchen. Diese Beträge sind i.d.R. gut investiert.
- Ein Business-Tool anschaffen und Risiken privater Accounts abwägen: ChatGPT Plus, Claude Pro oder MS Copilot reichen als Anfang aus, und kosten etwa 20–30 € pro Monat und Benutzer. (Es gibt auch billigere pay-as-you-go Lösungen, die dann allerdings mit Konfigurationsaufwand verbunden sind.) Wichtig ist jedenfalls auf Datenschutz zu achten und keine sensiblen Unternehmensdaten in private, kostenlose Accounts einzugeben.
- Eine KI-Richtlinie erstellen (oder erstellen lassen). Das gibt den Mitarbeitern Sicherheit und stellt klar, was erlaubt ist, und was nicht. Das Risiko der "Schatten-KI" wird reduziert.
- Mit einer konkreten Aufgabe starten. Am besten eine wiederkehrende, eher unbeliebte Routinetätigkeit: Zum Beispiel das Erstellen von regelmäßigen Social-Media-Posts. Oder das Durchführen von periodischen Markt- und Wettbewerbsrecherchen. Oder das Nachbearbeiten von Meetingprotokollen.
- Die Zeitersparnis messen: Nach zwei bis drei Wochen eine erste Bilanz ziehen. Wie viel Zeit wurde bei welchen Aufgaben gespart? Rechnen sich die Kosten für den KI-Einsatz? Das hilft auch später bei der Entscheidung, in weitere KI-Werkzeuge zu investieren.
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Quellen
- KMUForschung zur KI-Nutzung von EPUs in Österreich (2024): https://www.kmuforschung.ac.at/studies/ein-personen-unternehmen-oesterreich/
- KI-Monitor von Digital Austria: https://www.digitalaustria.gv.at/themen/kuenstliche-intelligenz/ki-monitor.html
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KI-Studie 2025 – KI im Mittelstand und KMU: https://maximal.digital/studie-ki-im-mittelstand-und-kmu-2025-einblicke-und-impulse-aus-der-ki-studie-2025
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WKO – KI-Guidelines für KMU: https://www.wko.at/digitalisierung/ki-guidelines-fuer-kmu
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RTR – AI Act Zeitplan: https://www.rtr.at/rtr/service/ki-servicestelle/ai-act/Zeitplan.de.html
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Gartner – AI Maturity Model Toolkit: https://www.gartner.com/en/chief-information-officer/research/ai-maturity-model-toolkit
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EPAM – AI Adoption Challenges (Crawl, Walk, Run): https://solutionshub.epam.com/blog/post/ai-adoption-challenges
Weitere Hinweise
Transparenzhinweis zu KI-Nutzung: Inhaltlich stehe ich als Mensch hinter diesem Artikel. Künstliche Intelligenz wurde beim Verfassen dieses Artikels unterstützend eingesetzt, insbesondere im Entwurfsprozess, für die sprachliche Verfeinerung (Grammatik- und Rechtschreibprüfung, Formulierung einzelner Sätze), für Recherchetätigkeiten, für Übersetzungstätigkeiten, sowie zur Unterstützung der redaktionellen Überprüfung.
Haftungsausschluss: Die Informationen in diesem Artikel dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine professionelle, rechtliche, finanzielle oder betriebswirtschaftliche Beratung dar. Das Feld der künstlichen Intelligenz entwickelt sich rasant weiter, und der Autor übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser Inhalte und lehnt jede Haftung für Handlungen ab, die auf Grundlage dieser Inhalte vorgenommen werden.